Parkinson verändert nicht nur, wie sich ein Körper bewegt. Es kann auch verändern, wie sich der eigene Körper anfühlt.
Bewegungen, die früher selbstverständlich waren, brauchen plötzlich Aufmerksamkeit. Aufstehen, losgehen, sich umdrehen oder das Gleichgewicht halten können viel Konzentration verlangen.
Viele Betroffene und Angehörige suchen deshalb neben der medizinischen Behandlung nach Möglichkeiten, die einfach guttun, Ruhe bringen und den Menschen als Ganzes wahrnehmen.
Bei Parkinson fordert der eigene Körper jeden Tag viel Aufmerksamkeit. Shiatsu kann einen Moment schaffen, in dem es einmal nicht darum geht, wie stark man zittert oder wie gut man sich bewegt – sondern darum, zur Ruhe zu kommen und den eigenen Körper wieder angenehm zu spüren.
Parkinson ist mehr als Zittern
Tremor, Muskelsteifigkeit und verlangsamte Bewegungen gehören zu den bekannten Parkinson-Symptomen. Doch auch Schlaf, Müdigkeit, Schmerzen, innere Unruhe und Verdauungsprobleme können den Alltag beeinflussen.
Auch Stress spielt eine Rolle. Bei manchen Menschen werden Parkinson-Symptome wie das Zittern in belastenden oder emotionalen Situationen vorübergehend stärker. Die Parkinson’s Foundation beschreibt diesen Zusammenhang ebenfalls. Parkinson’s Foundation – Stress und Parkinson
Das führt zu einer interessanten Frage:
Was passiert, wenn ein Mensch mit Parkinson wirklich zur Ruhe kommt?
Unsere Beobachtung während einer Shiatsu-Behandlung
Bei der Shiatsu-Begleitung eines Menschen mit Parkinson stand nicht das Zittern im Mittelpunkt.
Die Behandlung war ruhig: langsame Berührung, gleichmäßiger Druck und Zeit. Es musste keine Übung geschafft und keine Bewegung richtig ausgeführt werden.
Im Verlauf der Behandlung nahm die körperliche Anspannung deutlich ab.
Dabei zeigte sich eine besonders interessante Beobachtung:
Der Tremor wurde phasenweise deutlich geringer und war zeitweise nicht mehr sichtbar.
Mit zunehmender Entspannung wurde auch der Körper ruhiger. Genau dieser Moment hat uns neugierig gemacht.
Das bedeutet nicht, dass Shiatsu Parkinson oder einen Parkinson-Tremor behandelt. Es ist eine individuelle Beobachtung aus der Praxis. Gerade weil Stress Parkinson-Symptome beeinflussen kann, ist jedoch interessant, Veränderungen während tiefer Entspannung genauer zu beobachten.
Was sagt die Forschung?
Für Shiatsu speziell bei Parkinson gibt es bislang nur wenig Forschung.
Massage und andere manuelle Verfahren wurden dagegen bereits untersucht. Eine systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse aus dem Jahr 2022 umfasste sieben randomisierte Studien und eine randomisierte Pilotstudie mit insgesamt 363 Menschen mit Parkinson. Die Ergebnisse sind interessant, aufgrund unterschiedlicher Behandlungsformen und Einschränkungen der Studien aber nicht einfach auf Shiatsu übertragbar. PubMed – Therapeutische Massage bei Parkinson
Auch für Shiatsu selbst besteht weiterhin Forschungsbedarf. PubMed – Forschung zu Shiatsu und Akupressur
Shiatsu kann daher als ergänzende Körperarbeit verstanden werden, bei der Berührung, Entspannung und Körperwahrnehmung im Mittelpunkt stehen.
Parkinson und Verdauung
Ein Thema, das viele zunächst nicht mit Parkinson verbinden, ist die Verdauung.
Verstopfung gehört zu den häufigen nichtmotorischen Beschwerden bei Parkinson. Medikamente, Bewegung, Ernährung, Flüssigkeitszufuhr und Veränderungen der Darmfunktion können dabei eine Rolle spielen. Parkinson’s Foundation – Verstopfung bei Parkinson
Auch während unserer Shiatsu-Begleitung wurde über eine Erleichterung beim Toilettengang und bei der Darmentleerung berichtet.
Auch das ist eine persönliche Beobachtung und kein Nachweis einer Wirkung.
Im Shiatsu können Verdauungsbeschwerden dennoch Teil des Gesamtbildes sein. Je nach Person können beispielsweise Atmung, Bauchbereich, Meridianverläufe und ausgewählte Tsubos einbezogen werden. Blase 57 – Chengshan ist nur ein Beispiel für einen Punkt, der traditionell mit Beschwerden rund um Stuhlgang und Analbereich in Verbindung gebracht wird.
Ein Mensch mit Parkinson besteht nicht aus seinem Tremor. Schlaf, Stress, Verdauung, Berührung und Wohlbefinden gehören genauso zu seinem Alltag.
Wie kann Shiatsu bei Parkinson aussehen?
Eine Shiatsu-Behandlung wird an den Menschen angepasst. Beweglichkeit, Muskelsteifigkeit, Tremor, Gleichgewicht, Schmerzen, Kreislauf und Tagesform können dabei berücksichtigt werden.
Auch die Position und die Stärke der Berührung werden individuell gewählt.
Gerade bei Parkinson muss Körperarbeit nicht bedeuten, ständig etwas zu trainieren oder zu korrigieren.
Manchmal darf es einfach darum gehen, sich sicher und angenehm berührt zu fühlen und für eine Weile zur Ruhe zu kommen.
Shiatsu bei Parkinson – den Menschen im Blick behalten
Unsere Beobachtungen – deutliche Entspannung, zeitweise ein wesentlich ruhigerer Tremor und berichtete Veränderungen beim Toilettengang – sind keine wissenschaftlichen Wirksamkeitsnachweise.
Aber sie zeigen, warum es sich lohnt, genauer hinzusehen.
Nicht nur:
Wie stark zittert der Mensch?
Sondern auch:
Wie fühlt er sich? Wie angespannt ist sein Körper? Wie schläft er? Wie funktioniert seine Verdauung? Und was verändert sich während einer ruhigen Behandlung?
Bei Shiatsu steht nicht nur Parkinson im Raum. Da ist ein Mensch, der berührt wird, zur Ruhe kommen darf und seinen Körper für einen Moment anders erleben kann.
Shiatsu-Begleitung in Wien
Auch Menschen mit Parkinson können in unserer Praxis in Wien mit Shiatsu begleitend und individuell betreut werden. Dabei steht nicht die Behandlung der Parkinson-Erkrankung selbst im Vordergrund, sondern Beschwerden und Bedürfnisse, die den Alltag begleiten können – etwa körperliche Anspannung, Unruhe oder das Bedürfnis nach Entspannung und angenehmer Körperwahrnehmung.
Die Behandlung wird dabei immer an die persönliche Situation, Beweglichkeit und Tagesform angepasst.
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Wissenschaftliche Quellen
Kang Z., Xing H., Lin Q. et al. (2022): Effectiveness of therapeutic massage for improving motor symptoms in Parkinson’s disease: A systematic review and meta-analysis. Frontiers in Neurology, 13:915232.
PubMed
Robinson N., Lorenc A., Liao X. (2011): The evidence for Shiatsu: a systematic review of Shiatsu and acupressure. BMC Complementary and Alternative Medicine, 11:88.
PubMed
Parkinson’s Foundation: Informationen zu Stress sowie Verstopfung bei Parkinson.
Stress und Parkinson · Verstopfung und Parkinson
Hinweis: Shiatsu ist eine ergänzende Form der Körperarbeit und ersetzt bei Parkinson keine neurologische Betreuung, Medikamente, Physiotherapie oder andere medizinisch notwendige Behandlungen.
